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Unbekannte Birnensorten

145 - Amanlis Butterbirne

Amanlis Butterbirne

Früherer Name: AT Falbenthaler Hangbirne (Falbenthal), Beurré d’Amanlis, Wilhelmine, Hängebirne

Die Herkunft der alten Sorte ist unsicher, sie ist um 1800 entweder in Frankreich oder in Belgien entstanden. Seit 1874 wurde sie in Deutschland zum Anbau empfohlen und war lange Zeit eine der Standardsorten. In früheren Zeiten war sie wegen ihres süßen Geschmacks und ihrer reichen Tragbarkeit sehr geschätzt.

Frucht

groß, bis etwa 8 cm breit und 9 cm hoch, meist dickbauchig- birnförmig, Bauch oft fast in der Mitte

Gestalt

veränderlich

Fleisch

sehr saftreich, butterhaft schmelzend, fast aufdringlich süß.

Reife

MitteHerkunft September, bis Ende September haltbar

Verwendung

mittelfrühe Tafelbirne, auch zu Kompott und zum Dörren

Baum

wächst kräftig und bildet mittelgroße bis große Bäume mit deutlich herabhängenden Ästen, deshalb Synonym „Hängebirne“; die Blätter sind stark gewellt; Sorte ist gesund, trägt früh und reichlich, gedeiht in jedem warmen, leichten Boden und ist in Deutschland nicht empfindlich gegen raue Witterung; Früchte hängen nicht sehr fest.

Herkunft

Falbenthal (Altbaum wurde ca. 2012/2013 entfernt).

146 - Friessche Birne

Friessche Birne

Arbeitsname: Friessche Birne (Weißenburg).

Die unbekannte Sorte wurde in einem Privatgarten in Weißenburg aufgefunden. Der mächtige, eichengroße Baum hat ein sehr hohes Alter. Weitere Bäume der Sorte sind nicht bekannt.

Gestalt

klein bis mittelgroß, eirund, am Kelch etwas abgeflacht.

Fleisch

sehr saftig, aber nicht gewürzt.

Reife

Anfang bis Mitte September, nur kurz haltbar.

Verwendung

Tafelbirne.

Baum

stark wachsend.

Herkunft

Weißenburg, Privatgarten an der Schönau.

147 - Kleemanns Dörrbirne

Kleemanns Dörrbirne

Von der früh reifenden Sorte ist nur ein Altbaum in Windsfeld bekannt. Aufgrund ihrer Fruchteigenschaften handelt es sich vermutlich um eine Dörrbirne. Ein Sortenname ist, wie oft bei Altbäumen, bei den Besitzern nicht  mehr bekannt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es eine in Vergessenheit geratene historische Hauptsorte.

Gestalt

klein, kreisel- bis kegelförmig.

Fleisch

wenig saftig, süß.

Reife

Mitte bis Ende August.

Verwendung

Dörrbirne.

Baum

stark wachsend, glänzendes Laub.

Herkunft

Windsfeld, im Garten der Gastwirtschaft „Schwarzer Adler“.

148 - Gelbe Saftbirne

Gelbe Saftbirne

Die saftreiche, früh reifende Sorte ist bisher nur aus einem Privatgarten in Polsingen bekannt. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand handelt es sich um eine Birne mit regel­mäßi­gem Massenertrag. Ein weiterer Baum dieser Sorte steht eventuell in Eichenberg.

Gestalt

mittelgroß, gestaucht birnförmig, mit kurzer, aufgesetzter Spitze.

Fleisch

sehr saftig, angenehm süßsäuerlich.

Reife

Mitte August.

Verwendung

Tafelbirne zum Frischessen.

Baum

schwach wachsend, Zweige überhängend.

Herkunft

Polsingen, Privatgarten.

149 - Trumbirne

Trumbirne

Früherer Name: AT Grüne Plumpbirne (Polsingen) bzw. AT Kugelbirne (Ettenstatt). Weitere Bezeichnungen: Drummbirne, Trummbirne.

Die Trumbirne ist eine sehr alte Sorte ungewisser Herkunft. Sie wurde bereits 1814 erwähnt und ist höchst wahrscheinlich eine der wenigen fränkischen Lokalsorten. Der Schwerpunkt ihrer Verbreitung liegt im westlichen und südwestlichen Franken. Im Landkreis Weißenburg- Gunzenhausen sind noch ## Altbäume bekannt. Seit vielen Generationen wurde die Sorte jedoch nicht mehr empfohlen und vermehrt.

Gestalt

mittelgroß, stumpf kegelförmig bis eiförmig-rundlich; Schale gelb mit leuchtender orangerot verwaschener Deckfarbe, zahlreiche Schalenpunkte

Fleisch

gelblichweiß, grobzellig, saftig, Geschmack süßsäuerlich, leicht adstringierend

Reife

Mitte bis Ende August, ca. zwei Wochen haltbar VERWENDUNG    sehr gute Mostbirne, auch Einmach- und Dörrbirne

Verwendung

Mostbirne, früher wohl auch Tafelbirne.

Baum

bildet sehr starke langlebige, gesunde Bäume mit auffällig dicken Langtrieben

Herkunft

Ettenstatt (074) bzw. Polsingen (095).

150 - Realsmühler Birne

Realsmühler Birne

Ein außergewöhnlich alter Baum dieser Sorte wurde an der Realsmühle bei Ebenried nahe Allersberg aufgefunden. Die ansprechenden Früchte sind süß und wohlschmeckend, aber nicht schmelzend. Weitere Bäume dieser Sorte sind nicht bekannt.

Gestalt

mittelgroß, birnförmig, oben abgestumpft.

Fleisch

sehr saftig, süß, gerbstoffarm, etwas körnig.

Reife

Ende August bis Anfang September.

Verwendung

zum Frischessen, für Kompott, als Mischfrucht auch zum Mosten.

Baum

stark wachsend.

Herkunft

Realsmühle bei Ebenried (Landkreis Roth-Hilpoltstein).

151 - Rote Pfalzgräfin

Rote Pfalzgräfin

Früherer Name: AT Rote Rostbirne (Bubenheim)

Weitere Bezeichnungen: Große Pfalzgräfin, Rote Pfalzgrafenbirne, Falschgreifer (Markt Berolzheim, mundartlich), Falschgreefer (Hetzles, mundartlich), Jaköbele (Baden).

Bereits der Naturforscher Valerius Cordus erwähnte um 1540 eine Pfalzgrafenbirne. Dieser Name wurde jedoch mehreren Sorten gegeben. Um 1850 waren die Große oder Rote und die Kleine Pfalzgräfin zwei in Franken sehr beliebte und geschätzte Birnensorten, die damals zu den fünf häufigsten Sorten zählten. Bis 2013 waren jedoch beide verschollen. Aufgrund von Namensnennungen konnte schließlich zweifelsfrei die Rote Pfalzgräfin identifiziert werden. Auch die Kleine Pfalzgräfin wurde in Oberfranken wieder aufgefunden.

Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen sind derzeit fünf Altbäume bekannt und auch in Oberfranken sowie im Nürnberger Land konnten mittlerweile Altbäume gefunden werden. Auch eine scheinbare badische Lokalsorte namens „Jaköbele“ dürfte die Rote Pfalzgräfin sein, ein Beweis für ihre frühere weite Verbreitung.

Frucht

mittelgroß, birnförmig, 60 bis 80 mm lang, öfters etwas krumm; Stiel mitteldick, um 30 mm lang; Schale dick, rau, oft völlig berostet, sonnenseits braunrote Deckfarbe mit helleren Schalenpunkten.

Fleisch

weißgelb, sehr saftig, grobkörnig, deutlich gewürzt, etwas zusammenziehend, vor allem bei zu früher Ernte.

Reife

Ende September, etwa vier Wochen haltbar.

Verwendung

vor allem Wirtschaftsbirne (Dörren, Saft, Brennen), zum Frischessen muss sie am Baum ausreifen.

Baum

mittelstark wachsend, robust, Krone kugelförmig bis hochgewölbt, sehr alt werdend.

Herkunft

Bubenheimer Berg.

152 - Pseudo-Sparbirne

AT Pseudo-Sparbirne (Bräumühle)

Der sehr alte, deutlich veredelte Birnbaum stand am Nordrand von Weißenburg an der Zufahrt zur Bräumühle. Die unbekannt Sorte wurde nur hier gefunden. Der Altbaum wurde etwa 2013/2104 – ohne Not – abgesägt und beseitigt.

Die früh reifende Sorte konnte bisher nicht pomologisch bestimmt und hinreichend dokumentiert werden, auch wegen ihrer sehr unregelmäßigen Tragbarkeit.

Frucht

klein bis mittelgroß, kreisel- bis birnförmig, oben nur leicht eingezogen; Schale grüngelb mit vielen Schalenpunkten, nur selten mit wenig roter Deckfarbe, gelegentlich mit Rostflecken; Stielansatz oft fleischig und zur Seite gedrückt. Kelchblätter lang und schmal. zugespitzt.

Fleisch

Unbekannt

Reife

Anfang bis Mitte August, ein bis zwei Wochen haltbar

Verwendung

Unbekannt

Baum

starkwüchsig, breitkronig

Herkunft

Bräumühle bei Weißenburg.

153 - Pseudo-Muskateller

Pseudo-Muskateller

Weitere Bezeichnungen: Wasserbirne (Kattenhochstatt und Weimersheim), Muskatellerbirne (Weimersheim).

Die reich tragende, würzig schmeckende Sorte konnte bisher an mehreren Stellen im Land­kreis aufgefunden wer­den, teilweise mit Lokalnamen. Obwohl es sich sicher um eine alte Hauptsorte handelt, konn­te der pomologische Name bisher nicht ermittelt werden. Altbäume sind von Gundels­heim, Kattenhochstatt, Markt Berolzheim, Trommetsheim, Weimersheim, Weißenburg und Zimmern bekannt.

Gestalt

mittelgroß, kegelförmig, ungleichhälftig, Stiel oft zur Seite gedrückt.

Fleisch

sehr saftig, etwas zusammenziehend, deutlich gewürzt.

Reife

Ende September bis Anfang Oktober.

Verwendung

Zum Mosten, Brennen und Dörren.

Baum

mittelstark wachsend, mit zahlreichen sparrigen Ästen.

Herkunft

Markt Berolzheim.

154 - Kleine Dettenheimer

Kleine Dettenheimer

Arbeitsname: Kleine Dettenheimer (Dettenheim).

Knapp westlich von Dettenheim gegen Graben/Grönhart steht an der Straße ein kleiner Baum dieser Sorte. Die spät reifende Birne besitzt einen hervorragenden Geschmack, so dass hier sicher eine historische Hauptsorte vorliegt. Eine pomo¬logische Bestimmung gelang bisher jedoch nicht.

Gestalt

klein bis mittelgroß, kegelförmig.

Fleisch

angenehm süßsäuerlich, gewürzt.

Reife

Mitte Oktober bis Anfang November.

Verwendung

Tafelbirne.

Baum

klein, schwach wachsend.

Herkunft

Dettenheim.

155 - Jammerbirne

Jammerbirne

Arbeitsname: Jammerbirne (Ursheim).

In einem Privatgarten am Schmiedsberg in Ursheim wächst ein mittelgroßer Baum dieser pomologisch noch nicht bestimmten Sorte. Der Baum liefert riesige Erträge von etlichen Zentnern. Weitere Bäume dieser Sorte wurden bisher nicht bekannt.

Gestalt

klein, kegelförmig.

Fleisch

saftig, süß.

Reife

Ende August bis Anfang September.

Verwendung

unbekannt, früher wohl zum Frischessen.

Baum

mittelgroß.

Herkunft

Ursheim.

156 - Große Schöne Jungfernbirne

Große Schöne Jungfernbirne

Früherer Name: AT Grüne Saftbirne (Trendel) bzw. AT Jungfernbirne.
Weitere Bezeichnungen: Schöne Jungfernbirne, La Belle Demoiselle, Gros certeau d’été, Große Sommerhonigbirne; Sommerhonigbirne, Glasbirne.

Die Sorte wurde mehrfach im südwestlichen Mittelfranken gefunden. Der entscheidende Hinweis zur Bestimmung stammt aus Obermögersheim, wo die Birne noch unter dem althergebrachten Namen Jungfernbirne bekannt war. Durch Literaturvergleich konnte die bisher völlig verschollene Sorte identifiziert werden. In den Landkreisen Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen konnten neun teils sehr alte, riesige Bäume dieser Sorte gefunden werden. Auch bei Coburg konnte ein Altbaum der Jungfernbirne identifiziert werden.
Ihre Herkunft ist unklar, aber sie stammt vermutlich wie viele Birnensorten aus Frankreich. Schon vor 1800 war sie jedoch in Deutschland verbreitet worden.

Frucht

klein bis mittelgroß, bauchig birnförmig, öfters auch kegel- bis eiförmig, Hälften meist ungleich; Grundfarbe gelbliches Grün, später gelbgrün, sonnenseits mit braunrötlicher Farbe angeflogen; Stiel am Ansatz fleischig oder durch Fleischbutz zur Seite gedrückt; Kelch oft mit Rostspuren, öfters auch Rostfiguren auf der Schale; ohne Geruch.

Fleisch

schneeweiß, vollsaftig, rauschend, süß weinsäuerlich müskiert.

Reife

Ende August bis Anfang September, muss vorreif gebrochen werden,
dann etwa zwei Wochen haltbar

Verwendung

Tafelbirne zweiten Ranges, aber vor allem Wirtschaftsbirne, besonders auch zum Dörren.

Baum

wird sehr groß und stark mit viel hängendem Holz, wird aber spät fruchtbar, dann jedoch mit regelmäßigem hohem Ertrag.

Herkunft

Trendel (105) bzw. Obermögersheim (135)

157 - Schmeckerbirne

Schmeckerbirne

Von dieser saftigen und wohlschmeckenden, pomologisch noch nicht identifizierten Sorte sind im Land­kreis zwei Altbäume bekannt. Sie stehen an der Straße zwischen Dettenheim und Grönhart und am Angelesbuck in Gundelsheim.

Gestalt

klein, rund, mit langem Stiel.

Fleisch

schneeweiß, vollsaftig, rauschend, süß weinsäuerlich müskiert.

Reife

glatt, gelb, sonnenseitig verwaschen bräunlichrot.

Verwendung

saftig, süß, aromatisch.

Baum

mittelgroß bis groß, pyramidal aufragende Leitäste, sehr robuste und fast regelmäßig reich tragende Sorte.

Herkunft

Karlsgraben zwischen Dettenheim und Grönhart.

158 - Stadtgrabenbirne

Stadtgrabenbirne

Die optisch ansprechende, schöne Birne wuchs bis 2004 im nördlichen Weißenburger Stadtgraben am Ellinger Tor. Weitere Bäume dieser Sorte sind bisher nicht bekannt geworden. Auch ein pomologischer Sortenname konnte noch nicht zugeordnet werden.

Gestalt

mittelgroß, birnförmig, fast mittelbauchig, stielwärts abgestumpft.

Fleisch

saftig, süß, nicht schmelzend.

Reife

Mitte September.

Verwendung

Tafelbirne, auch zum Einmachen.

Baum

mittelgroß.

Herkunft

Stadtgraben Weißenburg.

Der Obstsortengarten ist in drei Abteilungen gegliedert:

Hauptsorten:

In der Abteilung Hauptsorten der Obstarche befinden sich alte, ehedem stark verbreitete Apfel- und Birnensorten, wie z.B. der Edelborsdorfer, die inzwischen nur noch von wenigen Spezialbaumschulen bezogen werden können.

Regionale Sorten:

Bei den Regionalen Sorten sind noch bekannte und regional verbreitete Sorten, wie z. B. der Wettringer Taubenapfel zu finden. Aber auch alte wohl nur lokal verbreitete Sorten, wie der Hürther Apfel sind aufgepflanzt.

Unbekannte Sorten:

Viele Sorten jedoch, die oft noch mehrfach in den Dörfern, auf alten Obstwiesen und an alten Wegrainen zu finden sind, sind bisher ohne Namen geblieben. Diese noch unbekannten Sorten konnten bisher pomologisch keiner Hauptsorte zugeordnet werden. Etliche Sorten führen deshalb lediglich einen Arbeitsnamen. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei unbekannten Sorten fast immer um sehr alte, früher meist deutschlandweit verbreitete Hauptsorten handelt.  Deshalb ist zu erwarten, dass sich im Laufe der Zeit bei einigen der hier angepflanzten unbekannten Sorten Änderungen ergeben.

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